Desk Sharing ist in vielen Unternehmen die logische Antwort auf hybride Arbeit: Wenn Beschäftigte nur noch an einigen Tagen im Büro sind, bleiben feste Schreibtische oft leer. Doch wer das Konzept nur als Sparprogramm für Flächen versteht, verschenkt sein eigentliches Potenzial.
Das Büro bekommt eine neue Aufgabe. Es ist weniger der Ort, an dem man E-Mails abarbeitet, und mehr der Ort, an dem Menschen sich begegnen, Ideen entwickeln und Beziehungen pflegen. In diesem Artikel erfährst du, welche Konzepte es gibt, wie du Zonen sinnvoll planst, welche Regeln im Alltag halten und was der Arbeitsschutz verlangt.
Was ist Desk Sharing?
Desk Sharing ist ein Bürokonzept, bei dem Beschäftigte keinen fest zugeordneten Arbeitsplatz haben. Sie teilen sich eine Anzahl von Schreibtischen, die meist geringer ist als die Zahl der Mitarbeitenden. Arbeitsplätze werden frei gewählt oder über ein Buchungssystem reserviert und nach der Nutzung aufgeräumt hinterlassen.
Das Verhältnis von Plätzen zu Personen nennt man Sharing-Quote. Wie hoch sie sein darf, hängt davon ab, wie oft dein Team tatsächlich im Büro ist. Eine zu knappe Quote erzeugt Platznot an Spitzentagen, eine zu großzügige verfehlt das Ziel, Flächen besser zu nutzen.
Warum das Büro zum Ort der Begegnung wird
Die Rolle des Büros hat sich verschoben. Das Fraunhofer IAO hat in der dritten Erhebung seiner Studienreihe „Homeoffice Experience“ mehr als 4.000 Büro- und Wissensarbeitende befragt. Laut Pressemitteilung des Fraunhofer IAO planen die Befragten, etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Büro zu verbringen. Die Zahl der Bürotage ist im Vergleich zu 2018 um rund ein Viertel gesunken.
Spannend ist vor allem, warum Menschen überhaupt ins Büro kommen. Hauptgrund sind soziale Interaktion, Teamgeist und Networking. Gleichzeitig schätzen die Befragten ihren Informationsstand im Büro deutlich höher ein als im Homeoffice. Für konzentrierte Einzelarbeit bevorzugen dagegen viele das Zuhause, auch wegen der Sorge um Ablenkung im Büro.
Daraus folgt eine klare Konsequenz: Ein Büro, das aus Reihen gleicher Schreibtische besteht, passt nicht mehr zu dem, wofür Menschen es nutzen. Wenn du Desk Sharing einführst, gestaltest du deshalb nicht nur Arbeitsplätze, sondern Gelegenheiten für Begegnung. Wie hybride Modelle die Führungsarbeit insgesamt verändern, beleuchtet unser Beitrag zur Studienlage beim hybriden Arbeiten.
Das Büro konkurriert heute mit dem Homeoffice. Es gewinnt dort, wo es etwas bietet, das zu Hause fehlt: Menschen, Austausch und gemeinsame Momente.

Desk-Sharing-Konzepte im Überblick
Unter dem Begriff laufen verschiedene Modelle, die sich in Freiheit und Planbarkeit unterscheiden. Diese Varianten begegnen dir am häufigsten:
- Free Seating: Wer zuerst kommt, wählt den Platz. Das ist flexibel, führt aber an vollen Tagen schnell zu Unmut.
- Hot Desking mit Buchung: Plätze werden vorab per App oder Software reserviert. Das schafft Planungssicherheit für alle.
- Team-Nachbarschaften: Jedes Team erhält einen festen Bereich, innerhalb dessen die Plätze geteilt werden. So bleibt Zugehörigkeit spürbar.
- Activity Based Working: Statt eines Schreibtischs wählst du je nach Tätigkeit den passenden Ort – Fokusraum, Projektfläche, Telefonbox oder Lounge.
- Mischmodell: Einige Rollen behalten feste Plätze, etwa wegen Spezialausstattung, alle anderen teilen.
Für die meisten Teams hat sich eine Kombination aus Team-Nachbarschaften und Buchung bewährt. Sie verbindet die Effizienz geteilter Flächen mit dem Bedürfnis, Kolleginnen und Kollegen wiederzufinden. Ein reines Free Seating funktioniert vor allem in kleinen Einheiten mit stabiler Auslastung.
Zonen planen: Vom Schreibtisch zur Arbeitslandschaft
Wenn das Büro ein Ort der Begegnung sein soll, braucht es unterschiedliche Flächen für unterschiedliche Tätigkeiten. Die Fraunhofer-Studie verweist darauf, dass sogenannte Multispace-Umgebungen Informationsfluss und Kommunikation fördern.
Fokuszonen
Auch im Begegnungsbüro muss konzentriertes Arbeiten möglich sein. Ruhige Bereiche mit klaren Regeln – keine Telefonate, keine Gespräche – schützen diese Zeit. Was Fokusarbeit im Führungsalltag bedeutet, erklärt unser Artikel zu Deep Work für Führungskräfte.
Kommunikationszonen
Projektflächen mit Whiteboards, Stehtischen und mobilen Bildschirmen laden zur Zusammenarbeit ein. Sie sollten so liegen, dass ihre Geräuschkulisse die Fokuszonen nicht stört.
Rückzugsorte und Telefonboxen
Hybride Arbeit bedeutet viele Videocalls. Ohne schallgeschützte Boxen oder kleine Räume landen Gespräche am Schreibtisch und stören das Umfeld. Plane hier eher großzügig.
Begegnungsflächen
Teeküche, Lounge oder Café sind keine Nebensache. Hier entstehen die informellen Gespräche, die im Homeoffice fehlen. Investiere in Aufenthaltsqualität: Tageslicht, Pflanzen, bequeme Sitzgelegenheiten.
Hybride Meetingräume
Räume mit guter Kamera- und Mikrofontechnik sorgen dafür, dass Remote-Teilnehmende gleichberechtigt dabei sind. Das Fraunhofer IAO empfiehlt ausdrücklich moderne Technik für hybride Meetings.

Regeln für Desk Sharing, die im Alltag halten
Ein Konzept scheitert selten an der Fläche, sondern an unklaren Absprachen. Formuliere die Spielregeln gemeinsam mit dem Team und halte sie schriftlich fest.
Clean Desk
Am Ende des Tages ist der Platz leer: keine Unterlagen, keine Tassen, keine persönlichen Gegenstände. Abschließbare Fächer oder Rollcontainer sind dafür Pflicht. Ohne sie wandern Ordner und Ladekabel in jeden Winkel.
Buchung und Blockieren
Lege fest, wie lange ein gebuchter Platz frei bleibt, wenn niemand erscheint, etwa bis 10 Uhr. Verbiete das Reservieren mit Jacke oder Laptoptasche. Das klingt kleinlich, verhindert aber die häufigsten Konflikte.
Teamtage
Begegnung entsteht nicht zufällig. Wenn jeder an anderen Tagen kommt, trifft man im Büro niemanden. Vereinbare deshalb ein bis zwei feste Teamtage pro Woche. Stell dir vor, dein Team trifft sich jeden Dienstag: Dann gehören Workshops, Feedbackrunden und das gemeinsame Mittagessen auf diesen Tag, Routinearbeit dagegen nicht.
Für dich als Führungskraft sind Teamtage die beste Gelegenheit, präsent zu sein. Blocke an diesen Tagen bewusst Zeit für spontane Gespräche und vermeide es, den ganzen Tag in Videocalls zu verbringen. Wer im Büro nur hinter Kopfhörern sitzt, sendet das Signal, dass sich das Kommen nicht lohnt. Desk Sharing entfaltet seinen Wert erst, wenn die gemeinsamen Tage spürbar anders sind als die Tage zu Hause.
Umgang mit Telefonaten
Kurze Absprachen am Platz sind in Ordnung, längere Calls gehören in Telefonboxen oder Besprechungsräume. Eine einfache Regel wie „Alles über fünf Minuten raus aus der Fläche“ schafft Klarheit.
Hilfreich ist außerdem eine kurze Formulierung für Konflikte. Zum Beispiel: „Ich habe den Platz für heute gebucht, kannst du in die Nachbarzone wechseln?“ Klare Regeln entlasten hier, weil niemand persönlich argumentieren muss.
Arbeitsschutz und Mitbestimmung beim Desk Sharing
Geteilte Arbeitsplätze bleiben Arbeitsplätze im Sinne des Arbeitsschutzes. Die Arbeitsstättenverordnung und die zugehörigen Technischen Regeln für Arbeitsstätten der BAuA gelten auch dann, wenn niemand einen festen Schreibtisch hat.
Ergonomie für wechselnde Nutzer
Da jeden Tag andere Menschen am Platz sitzen, muss die Ausstattung schnell anpassbar sein:
- höhenverstellbare Tische, idealerweise elektrisch,
- Bürostühle mit einfach erreichbaren Einstellhebeln,
- externe Monitore mit verstellbarer Höhe und Neigung,
- Dockingstationen, damit Laptops nicht flach auf dem Tisch stehen,
- ausreichende Beleuchtung und Blendschutz.
Erkläre neuen Teammitgliedern, wie sie Tisch und Stuhl richtig einstellen. Eine kurze Anleitung am Platz oder ein Video im Intranet hilft mehr als ein Rundschreiben.
Gefährdungsbeurteilung und Hygiene
Die Umstellung auf geteilte Arbeitsplätze ist ein Anlass, die Gefährdungsbeurteilung zu aktualisieren. Dazu gehören Lärm, Raumklima, Fluchtwege bei höherer Belegung und psychische Belastungen durch fehlende Rückzugsmöglichkeiten. Stelle außerdem Reinigungsmittel bereit, damit jede Person Tastatur und Tisch säubern kann.
Betriebsrat einbinden
Gibt es einen Betriebsrat, solltest du ihn früh einbeziehen. Begleitende Regelungen können Mitbestimmungsrechte auslösen, etwa Buchungssoftware, die Anwesenheit erfasst, oder Ordnungsregeln wie eine Clean-Desk-Policy. Eine Betriebsvereinbarung schafft für alle Seiten Klarheit.
In sieben Schritten zum Desk-Sharing-Konzept
So gehst du vor, wenn du Desk Sharing in deinem Bereich einführen willst:
- Auslastung messen: Erhebe über mehrere Wochen, wie viele Plätze tatsächlich belegt sind, getrennt nach Wochentagen.
- Ziele klären: Geht es um Flächenkosten, um mehr Begegnung oder um bessere Ausstattung? Die Antwort bestimmt das Konzept.
- Team beteiligen: Frage, welche Tätigkeiten im Büro stattfinden und was dafür fehlt. Akzeptanz entsteht durch Mitgestaltung.
- Zonen planen: Lege Fokus-, Kommunikations- und Begegnungsflächen fest und plane genug Rückzugsräume ein.
- Regeln formulieren: Buchung, Clean Desk, Teamtage und Telefonate gemeinsam festlegen.
- Pilotfläche testen: Starte mit einem Bereich oder einem Team und sammle drei Monate lang Erfahrungen.
- Nachjustieren: Werte Buchungsdaten und Feedback aus und passe Quote, Zonen und Regeln an.
Achte besonders auf Schritt drei. Wer Menschen den festen Schreibtisch nimmt, greift in ein Stück Revier ein. Erkläre offen, was sich ändert, und nimm Bedenken ernst. Wie du dabei eine tragfähige Basis schaffst, beschreibt unser Beitrag zum Thema Vertrauen im Team aufbauen.
Typische Fehler bei der Einführung
Viele Projekte stolpern über dieselben Punkte. Prüfe dein Vorhaben deshalb kritisch auf diese Fallstricke:
- Quote nach Durchschnitt statt nach Spitzentag: Wenn dienstags alle kommen, hilft eine niedrige Durchschnittsauslastung nichts.
- Fläche reduziert, Zonen vergessen: Weniger Schreibtische ohne zusätzliche Rückzugsräume führen zu Lärm und Frust.
- Führungskräfte behalten Einzelbüros: Wenn nur das Team teilt, wirkt das Konzept wie eine Sparmaßnahme von oben. Teile selbst mit, wenn deine Rolle es zulässt.
- Keine Technik für hybride Meetings: Ohne gute Ausstattung sitzen alle im Büro mit Headset am Platz, und Begegnung findet trotzdem nicht statt.
- Kein Termin zur Überprüfung: Ohne festen Zeitpunkt für eine Auswertung verfestigen sich Probleme.
Gerade der dritte Punkt hat Signalwirkung. Wenn du als Führungskraft selbst am geteilten Tisch sitzt, bist du sichtbar ansprechbar und zeigst, dass das Konzept ernst gemeint ist. Viele Teams erleben genau diese Nähe als echten Gewinn.

Fazit: Desk Sharing gelingt mit Fokus auf Begegnung
Desk Sharing ist mehr als eine Sparmaßnahme. Richtig umgesetzt, verwandelt es das Büro in einen Ort, an den Menschen gern kommen, weil sie dort Kolleginnen und Kollegen treffen und gemeinsam vorankommen. Dafür braucht es durchdachte Zonen, verbindliche Regeln und eine ergonomische Ausstattung.
Starte mit Daten statt mit Annahmen, beteilige dein Team und teste in kleinem Rahmen. So vermeidest du die typischen Fehler und schaffst ein Büro, das zur tatsächlichen Arbeitsweise passt.
Häufige Fragen zu Desk Sharing
Was ist der Unterschied zwischen Desk Sharing und Hot Desking?
Desk Sharing ist der Oberbegriff für alle Konzepte, bei denen sich Beschäftigte Arbeitsplätze teilen. Hot Desking ist eine Variante davon, bei der Plätze meist kurzfristig und ohne feste Zuordnung genutzt werden, oft über ein Buchungssystem. Im Alltag werden beide Begriffe häufig synonym verwendet.
Welche Sharing-Quote ist bei Desk Sharing sinnvoll?
Eine pauschal richtige Quote gibt es nicht. Entscheidend ist die gemessene Auslastung an Spitzentagen, nicht der Durchschnitt. Wenn dein Team feste Teamtage hat, müssen an diesen Tagen alle einen Platz finden. Erhebe deshalb über mehrere Wochen die tatsächliche Belegung, bevor du Flächen reduzierst.
Gilt der Arbeitsschutz auch für geteilte Arbeitsplätze?
Ja. Die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln für Arbeitsstätten gelten unabhängig davon, ob ein Platz fest zugeordnet ist. Geteilte Arbeitsplätze müssen ergonomisch und schnell einstellbar sein, weil täglich andere Menschen dort sitzen. Die Gefährdungsbeurteilung sollte bei der Umstellung aktualisiert werden und Lärm, Belegungsdichte, Raumklima, Fluchtwege und psychische Belastungen berücksichtigen.
Wie verhindere ich Konflikte beim Desk Sharing?
Konflikte entstehen meist durch unklare Regeln. Vereinbare verbindlich, wie Plätze gebucht werden, wie lange eine Buchung ohne Erscheinen gilt und dass Plätze abends leer sind. Abschließbare Fächer, ausreichend Telefonboxen und feste Teamtage nehmen zusätzlich Druck aus der Fläche.
Wann lohnt sich Desk Sharing nicht?
Wenig sinnvoll ist das Konzept, wenn fast alle Beschäftigten täglich vor Ort sind oder Arbeitsplätze teure Spezialausstattung brauchen, etwa in Laboren oder mit mehreren Großbildschirmen. Auch bei sehr kleinen Teams mit stabiler Präsenz bringt das Teilen von Plätzen meist mehr Aufwand als Nutzen.
